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Weihnachtsbaum

 
 

Marktgemeinde Postbauer-Heng

Heimatpflege

Kleine Kulturgeschichte des Weihnachtsbaumes

Weder bei den alten Germanen noch im Mittelalter kannte man den Lichterbaum. Man schnitt sich an bestimmten Tagen vor dem Fest, meistens am 30. November oder am 04. Dezember die Barbarazweige, �Bache- und Weihnachtsboschen�, junge Zweige von Kirsch-, Apfel- und Weichselbäumen und brachte sie in einen großen wassergefüllten Topf, der in der Zimmerecke seinen Platz fand, vorzeitig zum Blühen. Erst aus dem 17. Jahrhundert findet sich eine Aufzeichnung, die vom Tannenbaum erzählt, wie er mit Rosen aus farbigem Papier, mit Äpfel, Oblaten, Zischgold und Zucker behängt wurde. Dieser erste Tannenbaum stand in Straßburg, während in anderen Gegenden, wie in Nürnberg und Bayern, noch bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts hinein der künstlich getriebene Laubbaum für die Weihnachtsfeier den Vorzug erhielt.

Als traditionellen Schmuck finden wir von jeher in den Zweigen des Weihnachtsbaumes Christrosen und Äpfel. Sie hatten und haben symbolische Bedeutung. Die Rosen sollen an die in der Christnacht am Dornenstrauch erwachsenen Blüten gemahnen. Die Legende erzählt, dass es dem Herrn leid tat, weil der Strauch nichts anderes als Dornen tragen sollte. Dornen, die man ihm dann zur drückenden Krone flocht. Seitdem, so berichtet die fromme Sage weiter, sprießen in der Heiligen Nacht am Dorenengestrauch, an dem das Christkind auf seinem Wege über die Erde vorüberwandelt, duftende Rosen hervor. Und ferner erzählte eine Sage, die sich wohl auf den äpfeltragenden Lebensbaum im Paradies stützt, wie man in der Christnacht Äpfelbäumeknospen blühen und um die Morgenstunde Früchte tragen sah.

Die Lichter haben unsere Vorfahren sich nur sehr spät aufzustecken entschlossen. Erst aus dem Jahr 1737 ist uns das vollgültige Zeugnis überkommen, dass der Christbaum auch brennende Lichter trug, ein Bericht, der dann später von den verschiedensten Seiten Bestätigung erhielt. Auch Goethe lässt seinen Werther von den Weihnachtslichtern, dem Zuckerwerk und den Äpfeln reden, mit denen Lotte den Geschwistern den Weihnachtsbaum schmückte. Schiller kannte den brennenden Baum und spricht von ihm in seinem Briefen.

Es gab aber auch Landstriche, z. B. Sachsen, in denen ein künstliches Gebilde dem lebenden Baume vorgezogen wurde. Aus Holzstäben und buntem Papier formte man eine Pyramide. Auch sie wurde mit allerhand Ausputz behängt und mit Lichtern besteckt. Hatte sie ihre Pflicht als Weihnachtsbaum getan, so wanderte sie auf ihren Platz auf den Schrank und Kommode zurück und musste im weiteren Verlauf des Jahres als Zimmerschmuck dienen. Auch in Berlin behauptete noch im 19. Jahrhundert die Weihnachtspyramide ihre angestammten Heimatrechte, doch kannte man in einzelnen Familien auch schon Fichte und Tanne als Weihnachtsbaum. Französischen Einfluss folgend, hielt man es vielfach für vornehmer, auf den Weihnachtsbaum gänzlich zu verzichten. Man schmückte dann den Gabentisch mit Myrten und Efeu. Oder man ordnete die Geschenke um einen pyramidenartigen Lichteraufbau herum.

Zusammengestellt vom Heimatpfleger Postbauer-Heng Ferdinand List
 

 
     
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