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Eisenbahn in der Oberpfalz I

 
 

Markt Postbauer-Heng

Heimatpflege


Das Eisenbahnzeitalter in der Oberpfalz

Postbauer ab 1. Dezember 1871 Station und Bahnhof

125 Jahre Eisenbahngeschichte

Am 7. Dezember 1835 wurde die Ludwigsbahn zwischen Nürnberg und Fürth als erste Dampfeisenbahn Deutschlands eröffnet. Mit dem ersten Zug und der Dampflokomotive "Adler" hat die Eisenbahn den Landstraßen den Hauptteil des Waren- und Personenverkehrs entrissen. Ein neues, technisches und revolutionierendes Verkehrsmittel hat damit begonnen.

Genau 24 Jahre später konnte in der Oberpfalz am 12. Dezember 1869 durch die private Aktiengesellschaft der Bayerischen Ostbahn mit ihren ausreichend finanziellen Mitteln das Streckennetz von Regensburg über Neumarkt nach Nürnberg genehmigt und mit dem Ausbau begonnen werden. Der Ausbau des Hauptstreckennetzes mit vielen Nebenstrecken erforderte große technische Anstrengungen. Er ging jedoch 1871 rasch mit Unterstützung der Regierung vonstatten. Die annähernd gradlinige Überquerung der Alb, über Parsberg und Neumarkt, brachte allerdings einige Schwierigkeiten. Beim Baulos Postbauer gab es Ablehnung und Vorbehalte von Grundbesitzern, deren Grundstückswegnahme für den Gleisbau notwendig war. Belastend waren ebenfalls die Schwerarbeitsleistungen, die erbracht werden mußten, so beim Brückenbau der Bucherbrücke Postbauer wie bei der Überführung der Gleislegung der Henger Überfahrt und noch weiterer Objekte. Selbst die Überbrückung der Stahlkonstruktion beim Bahnhof Burgthann über den Kanal brachte erhebliche Bauleistung.

Die Baufortführung im Jahre 1871, mit den verschiedenen Aufgaben, konnte allerdings nur bewältigt werden durch den Einsatz der im Rübleinshof (beim Bahnhof Burgthann) untergebrachten überwiegend italienischen Arbeiter, die dort als Fremdarbeiter in Baubaracken ihr zuhause fanden. Ihre täglichen Stundenleistungen waren bis 12 Stunden; der Stundenlohn belief sich auf 48 Pfennig. Ein Teil wurde weiter als Hilfsarbeiter beim Stationsbau in Oberferrieden, dem Bahnhof Postbauer und noch einige Haltestellen eingesetzt.

Nach einigen Klärungen über den Standort für den Bahnhof Postbauer (Heng hatte sich mitbeworben) legte man den heute noch bestehenden Stationsgrund fest. Begründet wird dies, daß an diesem Ort bereits im Jahre 1871 schon der Postexpeditionsdienst für den großen Zustellbezirk postalisch selbständig war. Bis 1808 gab es eine Posthalterei in Postbauer. Der erste Posthalter war 1793 Franz Xaver Götz. Die am 1. Dezember 1871 wieder errichtete Postexpedition Postbauer umfaßte einen der größten Zustellbezirke, nämlich:

Buch, Ezelsdorf, Ober- und Unterferrieden, Heinbach, Heng, Kemnath, Lindelburg, Pavelsbach, Pfeifferhütte, Postbauer, Pyrbaum, Rengersricht, Schwarzach, Seligenporten und Steinbach.

Die Postweiterbeförderung und Abholung geschah zu den Zustellungsorten durch tägliche Carriolfahrzeuge. Ein Postzug hat täglich nach Postbauer die Sendungen für den Zustellbezirk überbracht. Diesen zentralen Postexpeditionsdienst, sowie die Ostbahnstationsführung, erhielt Johann Baptist Schneider, welcher ab 1871 vom Bahnhof Postbauer her diese Aufgabe, Post und Bahn gesamt, leitete. Der Bahnhof Postbauer war also eine Post und Bahnexpedition "Erster Klasse".

Im Dezember 1871 erfolgte die fahrplanmäßige Festlegung der Bahnstrecke Nürnberg - Feucht - Burgthann - Postbauer - Neumarkt. Zur Inbetriebnahme fuhr der erste Dampfmaschinenzug von Nürnberg aus, festlich geschmückt, alle Stationen und Bahnhöfe an. Beim Haltesignal durch die "Dampfroßlokomotive" wurden jeweils Begrüßungsworte gesprochen und allezeit "Gute Fahrt" gewünscht. In Feucht, Burgthann und Postbauer spielte ein Musikzug bei der Einfahrt und Freibier wurde ausgeschenkt. Der Bahnhof Postbauer wurde ebenfalls mit Blumen und Girlanden dekoriert.

Nach etlichen Jahren, das war vor dem 1. Weltkrieg, wurde die Post und Bahnexpedition wieder getrennt. Nahe dem Bahnhof bezog die Post ein eigenes Haus als Postagentur.

Um 1900 wurde der Streckenausbau weiter verbessert, den man bereits 1894 geplant und genehmigt hatte. Mit dem Doppelgleisbau und weiterer Verbesserung der Stationen und Brücken sowie Unterführungen wurde ein neuer Zeitabschnitt festgelegt. Vor dem 2. Weltkrieg fand die Renovierung vieler Streckenstation sowie Bahnhäfe statt. Dabei soll bemerkt werden, daß der Bahnhof Postbauer als einziger an der Strecke Nürnberg - Neumarkt im Jahre 1937 eine neue, festliche Fassade bekam. Die Abstellgleise beim Bahnhof waren bestimmt zur damaligen Sonderzug-Abstellung aus verschiedenen Anlässen. 

 
     
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