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Auflösung des Deutschordens

 
 

Markt Postbauer-Heng

Heimatpflege



Die Auflösung des Deutsch Ordens Pflegamtes Postbauer vor 200 Jahren und ihre Auswirkungen auf die davon betroffenen Untertanen

von Prof. Dr.-Ing. Helmut Bode

In diesem Jahr jährt sich zum 200. Mal die Annexion des in den süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden liegenden Besitzes des Deutsch Ordens durch diese Staaten. Mit betroffen davon war das seit 534 Jahren existierende Deutsch Ordens Pflegamt Postbauer. Im Nachfolgenden sollen kurz die geschichtlichen Hintergründe und ihre Auswirkungen zu diesem einschneidenden Vorgang etwas beleuchtet werden.1

Geschichtlicher Hintergrund

Das letzte Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts war wesentlich durch die mit der Französischen Revolution von 1789 verbundenen Ereignisse geprägt. Die so scheinbar fest gefügten Herrschaftsstrukturen der absolutistischen Feudalstaaten in Europa wurden erschüttert. Der Ruf "Liberté Fraternité Égalité" - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit -, als Losung der Französischen Revolution, drang in die entferntesten Gegenden und stieß auf breite Resonanz im Bürgertum, bei den Handwerksgesellen und den feudalabhängigen Bauern.

Er bedrohte die absolutistische und ständische Ordnung auch in Deutschland, zumal das Eingreifen Österreichs und Preußens gegen die Revolution deren expansiven Gegenstoß hervorrief. Unter dem Ansturm der französischen Revolutionsheere und später der napoleonischen Armeen brach das Deutsche Reich - genauer das Heilige römische Reich deutscher Nation - zusammen und löste sich 1806 auf. Die linksrheinischen deutschen Territorien gingen an Frankreich verloren.

 In der Hoffnung, für seine linksrheinischen Verluste mit rechtsrheinischen Territorien entschädigt zu werden, hatte Kaiser Franz zuerst auf die Möglichkeit einer Säkularisation2 der geistlichen Fürstentümer hingewiesen. Zur Verfahrensweise bei der Entschädigung bildete das Reich unter Kaiser Franz II. in den Jahren 1802/1803 eine Reichsdeputation, deren Arbeiten zum Reichsdeputations-Hauptschluss führten, welcher am 27. April 1803 vom Reichstag zum Gesetz erhoben wurde.

Über 112 deutsche Staaten war die Vernichtung ausgesprochen. Von allen geistlichen Reichsständen blieben u.a. nur die beiden Ritterorden, von 51 freien Reichsstädten nur sechs erhalten. Bayern erhielt die Bistümer Bamberg, Freising, Augsburg, Passau, Würzburg und 16 freie Reichstädte zugesprochen. Bis zum Jahre 1815, der endgültigen Niederringung des Napoleonischen Frankreichs, sollte sich das noch öfters ändern.

Um nicht von den Kaiserreichen Russland und Österreich auf der einen Seite und dem Kaiserreich der Franzosen auf der andern Seite aufgesogen zu werden, sahen sich besonders die süddeutschen Kurfürstentümer Bayern, Baden und Württemberg nach einem Verbündeten um. Bayern, das über Jahrzehnte durch Vergrößerungspläne Österreichs bedroht war, schloss am 24. August 1805 ein Schutz- und Trutzbündnis mit Frankreich.

Da der neutrale Deutsche Orden in Wirklichkeit "unter dem Kriegsrecht des Eroberers" stand und Napoleons ablehnende Haltung ihm gegenüber seinen süddeutschen Verbündeten bekannt war, konnten diese entgegen der Festlegungen des §26 des Reichsdeputations-Hauptschluss, der eine Säkularisation des Deutschen Ordens ausschloss, mit französischer Rückendeckung die Ordensgüter allmählich an sich bringen. So sequestrierte3 Bayern - entsprechend der Verfügung des Kurfürsten Maximilian Joseph vom 1. Nov. 1805 - alle in seinem Hoheitsgebiet gelegenen Ordenshäuser sowie einzelnen Besitzungen und unterstellte sie seiner vorläufigen Verwaltung.

Am 15. November 18054 wurde das Amt Postbauer des Deutschen Ordens aufgelöst und all seine Rechte, sein Besitz sowie seine Untertanen in den Besitz des neuen Königreich Bayern - ab 1. Januar 1806 - überführt. Die Okkupation, wie es die Einen oder die Sequestration wie es die Anderen nennen, des Deutsch Ordensamtes Postbauer ist sehr ausführlich in [Heinisch-1996] beschrieben.

Am 1. Januar 1806 nahm der Kurfürst Maximilian Joseph den Titel König von Bayern mit voller Souveränität an und trat am 12. Juli 1806 aus dem deutschen Reichsverband zum Rheinbund über, musste aber die Verpflichtung eingehen, Napoleon in allen seinen Kriegen mit 30.000 Mann zu unterstützen.

Auswirkungen

Was ging dem Deutschen Orden durch den Verlust des Pflegamtes Postbauer verloren: Die volle Landeshoheit, die Grundherrschaft, die Steuerhoheit und das Niedergericht über die Orte: Brandmühle, Buch, Etzelsdorf, Groß-Klein-Voggenhof, Kemnath, Kollermühle, Steinbach, Westhaid, Postbauer sowie die Steuerhoheit und das Niedergericht über Hausheim, Heng, Köstelbach, Möning, Pavelsbach, Pölling, Schwarzach, Röckenricht.

 In den nachfolgenden Orten gingen an Grundbesitz verloren: Brandmühle 1 Mühle; Buch 1/1 Hof, 2 Halbhöfe, 3 Güter; Heng je 1/1 Hof (Rackl, Bögl), je 4 Halbhöfe (Blomhofer, Meyer, Polster, Fürnkäs), je 7 Viertelhöfe, je 6 Achtelhöfe, je 10 1/16-Höfe; Kemnath 1 Dreiviertelhof (Wild), 1 Halbhof (Eder), je 2 Viertelhöfe, je 9 Achtelhöfe und je 8 1/16-Höfe; Köstelbach je 2 Halbhöfe (Thumann, Mayer); Möning 1/1 Hof (Lerzer), je 4 Halbhöfe (Gumbler, Graf, Heinloth, Seiz), je 6 Viertelhöfe, 1 Achtelhof, je 3 1/16-Höfe; Pavelsbach je 4 Viertelhöfe, je 15 Achtelhöfe, je 30 1/16-Höfe, 1 1/32-Hof; Pölling 1 Halbhof (Forster), 1 1/16-Hof; Postbauer 1/1 Hof (Götz), je 5 Halbhöfe (Götz, Riehl, Federer, Haunfelder, Koller), je 4 Viertelhöfe, je 9 Achtelhöfe, je 4 1/16-Höfe; Schwarzach 1 3/4-Hof (Sezer), je 3 Halbhöfe (Siegert, Bayer, Silberhorn), je 3 Dreiachtelhöfe (Pöringer, Pöringer, Siegert), 1 Viertelhof, je 25 Achtelhöfe, 6 je 1/16-Höfe, je 5 1/22-Höfe, Gemeinde Hirtenhaus; Sondersfeld 1 Achtelhof.

Viele dieser Namen, wie z.B. Meyer, Polster, Thumann, gibt es noch heute in unserer Region, aber eben so viele Namen tauchen in "Die Anwesen und ihre Besitzer im Jahre 1840." schon nicht mehr auf. Es wäre schon recht interessant, Bürger bzw. Bürgerinnen zu finden, deren Vorfahren ehemals Untertanen des Deutschen Ordens waren und die zu ihrer Familiengeschichte im Zusammenhang mit den oben aufgeführten Anwesen sowie Namen etwas aussagen könnten. So finden sich als Besitzer nach [Batzl-1977] u.a. für Heng in der Hausnummer 16 "beim Bübelschwarz" eine Kunigunda Mayer (seit 27.7.1797, Vorbesitzer Vater Georg Rackl) oder in der Hausnummer 26 "Neuwirth" ein Georg Laberer (seit 11.8.1807 durch Heirat der Witwe Anna Maria Raeckl!). In der Hausnummer 10, dem Kirchenbauern- oder Santnerbauerngut, eine Maria Elisabeth Meyer, Witwe von Ehemann Georg Meyer. In der Hausnummer 33 "Peterbecken" ein Michael Haubner (19.3.1838 von Elisabeth Meyer übernommen) und in der Hausnummer 1 "Stollenbauer" ein Johann Leonhard Polster (von der Mutter Margarete Polster am 28.5.1830 erworben.

Für Köstelbach fi nden sich unter der Nummer 13 "Büblbauer" ein Adam Thumann (17.5.1823 vom Vater Johann Thumann übernommen) oder unter der  Nummer 17 "beim Hannslenzen" ein Erhard Kellermann (am 8.1.1823 vom Schwiegervater Lorenz Thumann erhalten). Für Postbauer - dem Stammort des Deutsch Ordensamtes - finden sich unter der Nummer 11 "beim Maurer" ein Adam Michael Mederer (seit 24.3.1832, Vorbesitzer Schwager Friedrich Haunfelder. - 1810: "beim Maueradam" Adam Haunfelder). Unter der Nummer 25 "beim Haunfelder" ein Johann Thumann (Besitzer durch Heirat der Witwe des Bartelmä Haunfelder) oder unter der Nummer 22 "beim Scheurgirgl" ein Georg Riehl (am 10.1.1815 von der Mutter Margarete Riehl übernommen).

An Brutto-Kameraleinkünften5 nach dem 12-jährigen Durchschnitt von 1793 bis 1804 gingen durch den Verlust des Pflegamtes Postbauer 7.705 Gulden und 26 Kreuzer verloren. Die Gesamtverluste durch den von Bayern okkupierten Besitz wurden zu 367.920 Gulden 1 Kreuzer berechnet. Dazu kamen noch der Verlust an Einkünften durch Steuern; diese betrugen (nach dem Beitrag von 1796) bei den von Bayern okkupierten Ämtern 59.728 Gulden. Was ergab sich nun für die Untertanen des durch Bayern sequestrierten Deutsch Ordens Pflegamtes Postbauer. Nach [Heinisch-1996] hätten schon am 15. November 1805 viele Untertanen eine ungemeine Freude über ihre Einverleibung zur Pfalz Baiern, welche sie ... längst gewünscht und erwartet haben geäußert, und am  16. November waren um zwei Uhr nachmittags 197 Untertanen ... ohne alle Bedrohung von Zwang mit Freude erschienen, die großes Vergnügen, besonders darüber empfanden, daß sie der drückenden Natural-Scharwerk6, die sie dem Pfleger zu leisten gehabt hätten, entlediget würden.

Diese Freude wird wohl bei dem letzten Deutschordenspfleger Sebastian Haffner nicht geherrscht haben, er verlor mit dieser Maßnahme des bayerischen Kurfürsten Max IV. Joseph die für sich und seine Familie gesicherte Existenz und Zukunft. Über den Verbleib des Amtsknechts, der zugleich Förster war, und des Nachtwächters ist nichts bekannt. Die Untertanen, die als Bauern mehr oder wenig größere Höfe bewirtschafteten, siehe oben, saßen in der Regel auf den Höfen als Untereigentümer, der Deutsche Orden war der Eigentümer. Durch den Übergang an den Bayerischen Staat hatten sie die Möglichkeit in den nächsten Jahren bzw. Jahrzehnten diese Höfe käuflich zu erwerben und damit Volleigentümer zu werden, nachdem auch die Leibeigenschaft durch Maximilian Joseph, von Gottes Gnaden König von Bayern, mit dem organischen Edikt vom 31. August 1808 aufgehoben wurde.

Der Verkehr mit der Obrigkeit muss  nach dem Übergang an Bayern für die Untertanen vielfach einfacher geworden sein, denn es gab nur noch einen Herren. Vorher war es häufi g so, dass der Hof bzw. die Hofstelle auf dem Territorium verschiedener Herren lag, was ganz sicher recht oft zu Komplikationen geführt hat. Durch die starke Zergliederung des Deutsch Ordens Besitzes war auch der Verwaltungsaufwand entsprechend groß. So bewohnten z.B. das Oberamt Ellingen, welches seit 1789 die Ballei Franken bildete und zu dem u.a. das Amt Postbauer gehörte, 50.000 bis 60.000 Leute. Welche Schwierigkeiten sich aus der zerstreuten Lage ergeben mussten, zeigt sich darin, dass z.B. 100 Untertanen des Ordens in 20 Dörfern lebten, von denen jedes einem anderen Fürsten gehörte! Ein Überblick über die Beamten und Angestellten, die in der Zentralverwaltung und in den weit verstreuten Besitzungen arbeiteten, zeigte die großen Schwierigkeiten, denen die Verwaltung unterworfen war, ihre Schwerfälligkeit und Kostspieligkeit.

Für die Verwaltung und damit für eine positive wirtschaftliche Entwicklung des Landes war dieser Schritt unumgänglich und hat sich wohl auch damit positiv auf die Mehrheit der "okkupierten Untertanen" des Deutsch Ordens Pflegamtes Postbauer ausgewirkt.

1 Eine ausführliche Fassung dieses Artikels, mit allen verwendeten Literaturstellen, liegt zur Einsichtnahme in der Gemeindebücherei aus.
2 Überführung kirchlichen Besitzes in weltlichen.
3 beschlagnahmte
4 nach [Hopfenzitz-1978] "Am 8. Dezember begann Bayern dann mit der Okkupation der Kommende Donauwörth, ... am 10. Dezember die Ämter Zöschingen ... am 16. Dezember schließlich das Pflegamt Postbauer."
5 Einkünfte aus den Naturalabgaben.
6 Scharwerk: Bezeichnung für Leistungen, welche als Fronen auferlegt waren.
Literatur7
[Batzl-1977] Batzl, Heribert Chronik der Gemeinde Postbauer-Heng Herausgegeben von der Gemeinde Postbauer-Heng Amberg: Carl Mayr, Buch- und Offsetdruckerei, 1977
[Heinisch-1996] Heinisch, Roland Die Herrschaft des Deutschen Ordens im Pflegamt Postbauer von 1271 � 1805 Postbauer-Heng: Im Auftrag der Gemeinde Postbauer-Heng, 1996
[Hopfenzitz-1978] Hopfenzitz, Josef Deutscher Orden zwischen Württemberg und Bayern. Die Okkupation des Ordensbesitzes im Ries, S. 282 Marburg: N. G. Elwert Verlag, 1978

7 Mein Dank gilt Frau Hirschmann von der Gemeindebücherei, für die mir gewährte Unterstützung bei der Beschaffung von Literatur zu diesem Thema.  Ergänzend weisen wir darauf hin, dass der Artikel im September-Mitteilungsblatt "Gedanken und Notizen zur Markterhebung der Gemeinde Postbauer-Heng" ebenfalls von unserem Gemeindebürger, Herrn Prof. Dr.-Ing. Helmut Bode, verfasst worden ist.  
 
     
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