Postbauer-Heng
Die Auswirkungen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 auf die Gemeinden des heutigen Postbauer-Heng
Teil 1 / Teil 2 / Teil 3 Dr.-Ing. Helmut Bode
Anfang des Jahres 1870 wurde von der spanischen Regierung dem Erbprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen die Übernahme der spanischen Krone angetragen, die er zunächst ablehnte, aber dann doch annahm, so dass am 2. Juli 1870 die spanische Regierung die Kandidatur Leopolds offi ziell der französischen Regierung mitteilte. Frankreich sah in dieser Entscheidung einen "Eingriff in seine Lebensinteressen", die seine Ehre und Würde verletzt, so dass letztlich die Familie Hohenzollern-Sigmaringen auf die Kandidatur des Erbprinzen Leopold verzichtete. Der Verzicht Leopolds auf den spanischen Thron genügte aber der französischen Regierung nicht, sie verlangte vom preußischen König Wilhelm I., als Oberhaupt der Familie Hohenzollern, die Versicherung, dass er auch künftig keine Kandidatur eines Hohenzollern in Spanien zulassen würde. Dieses Ansinnen wurde abgelehnt, siehe dazu die "Emser Depesche".
Frankreich nahm dies als Vorwand, am 19. Juli 1870, dem Norddeutschen Bund, dessen führender Staat das Königreich Preußen war, den Krieg zu erklären, was in Deutschland zu einer nationalen Bewegung führte.
Die Kriegserklärung an den Norddeutschen Bund wäre ja für die Bevölkerung Bayerns nicht von Interesse gewesen, wenn nicht Mitte Juli 1870 die Regierungen Süddeutschlands - Bayern, Württemberg und Baden - die Teilnahme am Krieg an der Seite des Norddeutschen Bundes beschlossen hätten.
Bereits am 20. Juli 1870 erschien in der Nr. 58 des Neumarkter Wochenblatts folgende Bekanntmachung:
Nachdem die Mobilisierung der beiden Armeecorps und 16 Landwehrbataillone auf Kriegsformationsstand anbefohlen ist, so erhalten alle bis jetzt außer Controlle stehenden Mannschaften den Befehl, bei Vermeidung der strengsten Strafen sich unverweilt bei dem nächsten Bezirksfeldwebel zu melden.
Neumarkt, den 16. Juli 1870
Das K. Landwehrbezirks=Commando. Westermayer, Major.
Dies bedeutete für die Wehrpflichtigen der zu unserer Gemeinde gehörenden Ortschaften, in den Krieg zu ziehen! Wer waren die betroffenen Wehrpflichtigen 1870?
Hierfür kann davon ausgegangen werden, dass alle Bayern männlichen Geschlechts, die am 1. Januar 1870 das 21. Lebensjahr vollendet hatten, d.h. die "Jünglinge" des Jahrganges 1849, davon betroffen waren. Da aber der Dienst in der aktiven Armee drei Jahre dauerte, kamen noch die Wehrpflichtigen der Jahrgänge 1847 und 1848 hinzu und wenn dies nicht gereicht hat, standen noch die Angehörigen der Reserve (vier Jahre) und die der Landwehr (5 Jahre) zur Verfügung.
Bis jetzt konnte ermittelt werden, dass Bürger aus dem heutigen Gemeindebereich Postbauer-Heng in den Infanterie-Regimentern Nr. 3 "Prinz Karl von Bayern" stationiert in Augsburg, Nr. 10 "Prinz Ludwig" stationiert in Ingolstadt, Nr. 12 "Prinz Arnulf" stationiert in Neu-Ulm und Nr.14 "Hartmann" stationiert in Nürnberg gedient haben.
Die beiden bayerischen Armeekorps standen unter der Führung der Generale Freiherr von und zu der Tann und Ritter von Hartmann, sie wurden neben den württembergischen und badischen Kontingenten in die III. Armee unter Leitung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen eingegliedert. Die III. Armee bildete den linken Flügel der Streitmacht und sollte den Einbruch der französischen Truppen in Süddeutschland verhindern. Durch die Eisenbahn, als dem modernsten Transportmittel dieser Zeit, standen die Truppen sehr schnell an der Westgrenze zu Frankreich. Ausgangspunkt war Mannheim, gefolgt von Karlsruhe.
Bereits am 4. August 1870 fand das erste "blutige, aber siegreiche Gefecht bei Weißenburg" (heute Wissembourg) statt. Die Verluste betrugen 700 Tote, Verwundete und Gefangene auf deutscher Seite sowie 1.000 Tote, Verwundete und Gefangene auf französischer Seite. Am 6. August folgte die Schlacht bei Wörth im Unterelsass, wobei 10.642 Tote und Verwundete auf deutscher Seite sowie 8.000 Tote und Verwundete, 6.000 Gefangene und 6.000 Versprengte auf französischer Seite zu beklagen waren. An beiden Gefechten waren bayerische Soldaten, u. a. das 12. und 14. Infanterie-Regiment beteiligt.
Über die Stimmung der Bevölkerung zu dieser Zeit sagt wohl folgende Einladung im Neumarkter Wochenblatt Nr. 65. vom Sonntag dem 14. August 1870 alles aus:
Mitten im Kriegsgetöse soll ein friedliches, religiöses Fest zu Ehre Gottes und zum Heile der Menschen gefeiert werden. Der Möninger Berg, eine gar schöne Höhe der Oberpfalz, wird am 21. August l. Js. mit den vierzehn Stationen des hl. Kreuzweges geziert und deren Einweihung durch einen Pater Franziskaner aus Freystadt vorgenommen werden. Die Pfarrgemeinde Möning bezieht um 9 Uhr in feierlichem Zuge die Höhe des Berges. Die Weihe der vierzehn Stationen, Predigt und feierliches Amt in der Capelle der vierzehn hl. Nothhelfer sollen alle Gemüther zu Gott erheben. Mögen kommen zu diesem schönen Feste alle Gläubigen aus Nah′ und Fern′, kommen Alle, die bedrängten Herzens sind, kommen alle Väter und Mütter, deren Söhne im fürchterlichen Kriege sich befinden; möge das Gebet von Tausenden sich vereinen, damit es als ein lauter Schrei: O Herr! Gib uns den Frieden, beschütze unser Vaterland! zum Himmel dringe.
Es ladet freundlichst hierzu ein
Carl Scherer, Pfarrer zu Möning. 1
Wird fortgesetzt!
1 Die vierzehn Stationen des hl. Kreuzweges auf dem Möninger Berg wurden also am 21. August 1870 eingeweiht.
Die Auswirkungen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 auf die Gemeinden des heutigen Postbauer-Heng
2. Teil - die Leiden der Soldaten
Dr.-Ing. Helmut Bode
Der erste Teil endete mit dem Aufruf des Pfarrers Carl Scherer aus Möning am 21. August 1870 zur Einweihung der vierzehn Stationen des hl. Kreuzweges auf dem Möninger Berg zu kommen und für den Frieden zu beten. Aus den mir vorliegenden Beschreibungen [1] und [2] über das kgl. bayer.14. Infanterie-Regiment "Hartmann" aus Nürnberg geht hervor, welchen Leidensweg die Teilnehmer auf beiden Seiten des Krieges beschreiten mussten.
Nach der Schlacht in Weißenburg (Wissembourg) am 4. August 1870 ging es über Lembach (5.8.), Niederbronn / Reichshofen1 (6./7.8.), Eguelshardt, Lemberg (9.8.), Montbronn (10.8.), Weislingen / Thal (11.8.), Burbach / Diedendorf (12.8.), Fénétrange (Finstingen), Loudrefing / Lostroff / Cutting (13.8.), Dieuze, Moyenvic (14.8.), Champenoux (15.8.), Nancy (16./17.8), Gondreville, Toul (18.8.), Pagny / Void (19.8), St.-Aubin (20. bis 22.8.), Tronvill / Culey / Barle Duc (23.8), Varney (24.8), Charmont / Nayers (25.8), Charmontois (26.8.), Dombasle (27.8.), Clermont, Vienne la Vile / Vienne le Chateau (28.8.), Cheviéres / Marcq (29.8.), Sommauthe (30.8.), Raucourt (31.8.), Balan / Bazailles - Schlacht um Sedan - (1./2.9.), Omocourt / Connange (3.9.), Ecordial / Tourteron (4.9.), Machault / Contreux (5./6.9.), Jonchery / Sommesuippes (Suippes) (7.9.), Châlons / Compertrix (8.9.), Pocancy / Vertus (9.9.), Broussy le Grand / Allemant / Broyes (10./11.9.), Sézanne, Bricot la Ville / St.-Martin-du-Boschet (12.9.), Chamcenest / Pécy (13./14.9.), Rozoy (15.9.), Moissi-Cramayel / Corbeil (16.9.), St.-Germain / Plessis Pâté (17.9.), Champlan / Montlhery / Nozay (18.9.) in 36 Tagesmärschen bis nach Plessis Piquet / Châtenay (19.9.1870) zwischen Versailles und Paris!
Wer sich die Mühe macht und den Weg auf der Landkarte verfolgt, kommt auf eine Entfernung von ca. 650 bis 750 km, d.h. ca. 20 km pro Marschtag. Dazwischen immer wieder Kampfhandlungen, auch die Märsche waren von diesen begleitet. Hinzu kamen Hunger und Durst, da der Nachschub nicht klappte, sowie das ausgesprochen schlechte Wetter - Regen und Sturm. Die Wege der anderen Regimenter waren ähnlich, so dass wir sagen können, dass diese Strapazen, unsere an diesem "Feldzug" teilnehmenden Gemeindebürger, gemeinsam mit ihren Kameraden über sich ergehen lassen mussten. Einige unsere Gemeindebürger haben dies nicht überlebt! Dazu später.
Wie es den Feldzugsteilnehmern erging, ist wohl am eindruckvollsten an dem nachfolgenden Auszug aus [2] zu ersehen. "Am 26. (August 1870) sollte Rasttag sein; aber Abends 5 Uhr ging plötzlich Generalmarsch2 und um 6 Uhr wurde abmarschirt. Es ging rückwärts, bald aber nordwärts. Auf elenden Waldwegen wurde in die Nacht hineinmarschirt, und kamen gegen 2 Uhr das 1. und 2. Bataillon bei Charmantoi le roi auf einen Rübenacker, das 3. in den Ort Belval. Am 27. Vormittags wurde wieder aufgebrochen, und Nachts zwischen 1 und 2 Uhr kamen die Bataillone in das Biwak bei Dombasle. Viele Wachfeuer brannten rechts und links der Verdunerstraße. Es gab nur wenig Stroh, und gegen 4 Uhr fing es heftig zu regnen an. am 28. nach dem Frühstück wurde wieder abmarschirt. Man konnte kaum den Vordermann sehen, so peitschte der Wind den Regen in′s Gesicht. Es ging westlich nach Clermont, ... , dann aber wieder nordwärts, durch den Argonnenwald, und um 11 Uhr Nachts kamen die Bataillone in die Orte Vienne la ville und Vienne le Chateau. Am 29. früh 4 Uhr wurde schon wieder abmarschirt. ... Ein Trupp französischer Gefangener kam des Weges; eine preußische Division hatte nämlich heute bereits ein Rekognoszirungsgefecht gehabt bei Nouart. Die Bataillone biwakirten bei Marcq und Cheviéres. ... Am 30. ging es ohne Frühstück weiter. Unterwegs wurde an einem Kartoffelacker gegraben und gekocht. ... Ein Feldspital, ein Wagen mit barmherzigen Schwestern und eine freiwillige Sanitätsabteilung fuhren in Eile vor. Bei Sommauthe biwakirten die Bataillone. Bis in die Nacht nahm man das Feuer der Geschütze und das Geräusch der Mitrailleusen3 auf den jenseitigen Höhen war. Sommauthe war in ein Lazareth umgewandelt, und bis spät in die Nacht brachten Sanitätswagen Verwundete."
Auch nach dem Ende der Marschzeit, ab 19. September 1870, waren die Belastungen immer noch sehr groß, hierzu ein Auszug aus [1]. "Bei den großen Anstrengungen, der schlechten Unterkunft und der anfangs mangelhaften und dürftigen Verpflegung, infolge der ungünstigen, naßkalten Witterung und der starken Nervenaufregung waren die Gesundheitsverhältnisse der Mannschaften Ende Oktober und anfangs November sehr ungünstig. Es kam massenhaft zu Erkrankungen an Magen= und Darmkatarrh, zahlreiche Fälle an Typhus und Ruhr vor und der Krankenstand betrug 11-13% der Effektivstärke des Korps. Die 3. Division hatte hieran den weitaus größten Anteil nämlich 60%."
Am 2. September 1870 kapitulierte die bei Sedan eingeschlossene französische Armee MacMahons, ca. 83.000 Mann, unter ihnen Kaiser Napoleon III, gingen in die Kriegsgefangenschaft.
Am 4. September 1870 wird das bonapartistische Kaiserreich durch einen Volksaufstand in Paris gestürzt und die Republik ausgerufen. Damit war eigentlich der Grund dieses Krieges entfallen und es hätte Frieden geschlossen werden können. dem war aber leider nicht so. Wird fortgesetzt!
1 Schlacht bei Wörth 2 Wird Generalmarsch geschlagen und geblasen, so erscheint jeder Soldat mit Waffen und Gepäck möglichst schnell auf dem Alarmplatz.. 3 Eine Mitrailleuse ist ein historisches Geschütz, das mehrere Schuss Gewehrmunition gleichzeitig oder in sehr kurzer Folge verschießt, und als eine Urahnin des modernen Maschinengewehrs gilt.
Literatur [1] Beckh, Albert Geschichte des Kgl. Bayer. 14. Infanterie-Regiments und seiner Stammtruppen. II. Teil. Geschichte des 14. Infanterie-Regiments Hartmann 1814-1914. Nürnberg: Kgl. Bayer. Hofbuchdruckerei G. P. J. Bieling=Dietz, 1914 [2] Zechmeyer - Premier-Leutenant Geschichte des Königlich bayerischen 14. Infanterie-Regiments und seiner Stammtruppen. Im Auftrage des Regiments Kommandos für die Mannschaft. Potsdam: Expedition der "Neuen Militärischen Blätter" G. von Glafenapp, 1885
Die Auswirkungen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 auf die Gemeinden des heutigen Postbauer-Heng 1
3. Teil - das Kriegsende, die Opfer
Dr.-Ing. Helmut Bode
Der zweite Teil endete mit der am 1. September 1870 erfolgten Kapitulation der in Sedan eingeschlossenen kaiserlichnapoleonischen Truppen, der Gefangennahme Napoleons III. und der Ausrufung der Republik Frankreich. Leider war damit der Krieg nicht zu ende, er zog sich noch bis Februar 1871 hin.
Am 23. November 1870 unterzeichnet ein Vertreter der bayerischen Regierung in Versailles den Vertrag über den Beitritt des Königreiches Bayern zum Norddeutschen Bund, es behält die Militärhoheit im Frieden sowie die Hoheit über die Eisenbahn-, Post- und Telegraphenverwaltung. Die Großherzogtümer Baden und Hessen-Darmstadt waren bereits am 15. November beigetreten. Das Königreich Württemberg folgte am 25. November. Nachdem König Ludwig II. von Bayern im Namen der deutschen Fürsten König Wilhelm I. von Preußen die Kaiserkrone angetragen hatte, erfolgt am 18. Januar 1871 die Proklamation König Wilhelms I. zum deutschen Kaiser im Schloss zu Versailles. Sämtliche deutschen Staaten sind nunmehr im deutschen Kaiserreich zu einem Bundesstaat vereinigt.
Im selben Schloss fand am 26. Februar 1871 der deutsch-französische Krieg durch Unterzeichnung des Präliminarfriedens 2 sein Ende. Dazu erschien in [3] folgende Bekanntmachung:
Gottesdienstliche Dankfeier für den Frieden betr.
Seine Majestät der König haben in Anwendung der Bestimmungen des § 55 der II. Verfassungsbeilage Allerhöchst anzuordnen geruht, daß aus Anlaß des nunmehr erfolgten Friedensschlusses eine kirchliche Festfeier und zwar in der Art stattfindet, daß
- a. an den katholischen Kirchen des Königreiches
- 1) Samstag den 11. März d. Js. ein Trauer-Gottesdienst für die im Kriege Gefallenen und Verstorbenen, und sodann
- 2) am darauf folgenden Sonntag den 12. März d. Js. ein feierlicher Dankgottesdienst (Hochamt),
- b. in den protestantischen Kirchen des Landes Sonntag den 12. März d. Js. ein feierlicher Dankgottesdienst
abgehalten werden soll. Dies wird zufolge höchster Ministerial=Entschließung vom 4. l. Mts. hiermit öffentlich bekannt gemacht.
Die königlichen Bezirksämter Neumarkt. Velburg. Hemau. Pfeiffer. Mittelmayer. Wiedenhofer.
Am 10. Mai 1871 folgte der Abschluss des Friedensvertrages in Frankfurt. Frankreich verlor Elsass und einen großen Teil Lothringens und hatte eine Kriegsentschädigung von fünf Milliarden Francs zu leisten.
Von den Teilnehmern am Feldzug 1870/1871 sind mir aus unserer Gemeinde namentlich der Schmiedemeister Sebastian Kuhn, von dessen Enkel ich erfuhr, dass sein Großvater als 25jähriger teilgenommen hat und gesund wieder gekommen ist, sowie die weiter unten aufgeführten Gefallenen bzw. Verstorbenen bekannt.
Aus [4] ist zu entnehmen, dass die Verluste der 16 am Kriege beteiligten Regimenter, d.h. des Leibregiments und des 1. bis 15. Regiments, 8.827 Mann, darunter 550 Offiziere (6,23 %), betrugen!
Zu dieser Zeit war die Regimentsstärke auf ca. 3.000 Mann festgelegt, so dass von den ca. 48.000 Mann, die in den Krieg gezogen sind, 18,39 % nicht wieder zu ihren Familien, bzw. in die Heimat, zurück gekehrt sind! Unter ihnen ließen sich folgende Bürger der heutigen Marktgemeinde Postbauer-Heng ermitteln:
- Frisch, Georg Soldat im l0. königlich-bayerischen Infanterie Regiment, Gütlers- und Wagnerssohn aus Postbauer bzw. Heng, gest. 21. November 1870 in Speyer.
- Goetz, Michael Soldat im 14. königlich-bayerischen Infanterie Regiment, Sohn einer ledigen Insassin von Heng, gest. 2. Dezember 1870 in Villegenis bei Paris - heute Massy in Essonne - an Typhus im Alter von 26 Jahren.
- Pröbster, Georg Soldat im 3. königlich-bayerischen Infanterie Regiment, 7. Compagnie, Sohn der Gütlers-Eheleute Leonhard und Maria Pröbster von Köstelbach. Mit 22 Jahren am 20.12.1870 an Typhus in Versailles gestorben.
- Riehl, Georg Soldat im königlich-bayerischen 9. Jäger-Bataillon, 2. Compagnie, Gütlerssohn von Heng, verstorben in Corbeil im Alter von 23 Jahren - alle weiteren Angaben fehlen! In Corbeil waren bayerische Truppen am 16.9.1870, siehe Teil 2.
- Siegert, Michael, geb. 15.5.1848, Soldat im 12. königlich-bayerischen Infanterie Regiment, 2. Bataillon, 5. Compagnie, Sohn der Eheleute Joseph und Margareta Siegert aus Pavelsbach, verstorben am 8. Mai 1871 an Typhus im Spital zu Chateau de la Grange.
- Weber, Joseph Soldat im 14. königlich-bayerischen Infanterie Regiment, Schmiedsohn von Heng, gest. im Alter von 28 Jahren am 22. Oktober 1870 an Typhus im Feldspital von Chateau Villebousin.
Obwohl es eine königliche Verordnung "Die Aufstellung der Gedenktafeln ...betr." vom 3. Juni 1871 [5] gab, mit der die Gemeinden, Vereine und Privatpersonen aufgefordert wurden, Gedenktafeln zu errichten und in den Kirchen aufzustellen, finden sich in unserer Gemeinde nur zwei Tafeln! Auf den Gedenktafeln sollten die Namen der in dem Feldzuge von 1870 und 1871 gefallenen Krieger des bayerischen Heeres, sowie die entsprechenden Schlachten verzeichnet sein, um diesen Tapferen ein ehrendes bleibendes Andenken in der Heimat zu erhalten. Die in unserem Gemeindebereich befindlichen Tafeln sind an der Jakobuskirche in Heng, für Georg Pröbster und an der Cäciliakirche in Pavelsbach, für Michael Siegert, angebracht! Warum es für die anderen vier Gefallenen bzw. Verstorbenen keine Tafeln gibt, ist mir nicht bekannt.

Im Juli 1871 lud Pfarrer Scherrer im Auftrage der Soldaten aus Möning zu einem auf den Höhen des Möniger Berges geplanten Gottesdienst mit u. a. folgenden Worten ein [6]: "Am 30. Juli morgens 1/2 9 Uhr begleitet die Pfarrgemeinde Möning im feierlichen Zuge mit Kreuz und Fahne die wackere Kriegerschaar der Pfarrei und Umgebung auf die Höhe des Möninger=Berges, dortselbst findet Predigt und Dankamt, Litanei zu den 14 Nothelfern und Gedächtnis der gefallenen Brüder statt."
Abschließend noch ein Auszug aus [7] über die monatlichen Renten, die die Hinterbliebenen der im Krieg gegen Frankreich Gefallenen erhielten:
- die Witwe eines Generals 875 fl3., eines Stabsoffiziers 700 fl., eines Hauptmannes, Oberleutnants oder Unterleutnants 525 fl.; eine einfache, vaterlose Waise einen Unterhalts- und Erziehungsbeitrag von 87 fl. 30 kr., eine Doppelwaise 131 fl. 15 kr.
- die Witwe eines Feldwebels, I. Wachtmeisters usw. 15 fl. 15 kr., der übrigen Unteroffiziere (Sergeanten, Korporäle usw.) 12 fl. 15 kr.; eines Soldaten 8 fl. 45 kr.; die einfache Waise eines Unteroffiziers usw. 6 fl. 12 kr., eine Doppelwaise 8 fl. 45 kr.
Ob davon die Witwen und Waisen der Soldaten und Unteroffiziere leben konnten?
Literatur: [3] Neumarkter Wochen-Blatt Nr. 20, vom 8. März 1871 [4] Neumarkter Wochen-Blatt Nr. 24, vom 22. März 1871 [5] Neumarkter Wochen-Blatt Nr. 50, vom 21. Juni 1871 [6] Neumarkter Wochen-Blatt Nr. 60, vom 26. Juli 1871 [7] Neumarkter Wochen-Blatt Nr. 95, vom 26. Nov. 1871
1 Mein besonderer Dank gilt Frau Hirschmann und Frau Carlisi von der Marktbücherei für die Beschaffung der im 2. Teil aufgeführten Literatur! 2 Vorfrieden, dem noch ein ordentlicher Friedensschluss folgen muss. 3 1 fl = 1 Gulden = 60 kr. = 60 Kreuzer = 1,71 Mark. Gulden bzw. Kreuzer waren bis Ende 1875 in Bayern die Währungseinheiten, ab 1876 waren es Mark und Pfennig, wie im übrigen Kaiserreich. |