Markt Postbauer-Heng
Heimatpflege
Eine geschichtliche Betrachtung um den Ort Heng
1. Die „Alte, hohe Straße“, deren Zielende der Ort Heng istDas Gebiet um Neumarkt erwies sich um das Jahr 1050 als „Königsgut“, gestützt durch den Flurnamen „hohe Straße“, welche über die Gitzberghöhe - Dillberg führt. Am südlichen Hang dieser Höhe findet sich auf dem Grünberg noch der Name „alte Straße“. Es dürfte sich um die Hochstraße über dem Grünberg mit Dillberg und die alte Straße, die ursprüngliche frühere „Hauptstraße“, handeln.
Ohne Zweifel muss die Benennung von besonderer Bedeutung gewesen sein, denn an dieser Seitenweg-Straße war auf deren Höhe ein Burgstall errichtet. Dies wird auch durch die Lage der dort befindlichen Heinzburg (Schlossberg) bestätigt, die als ein kleiner Burgstall und dem dort bestehenden kreisrunden Wall auf dem Schlossberg noch vorzufinden ist.
Diese Hauptstraßenführung nahm ihren Weg von Westen her, kommend über den Dillberg - Wurzhof - Heinzburg nach Neumarkt. Eine Abzweigung führte vom Gitzberg zum Grünberg und weiter in den Gemeindeort Heng.
Der Geländenamen Heng, über Jahrhunderte Hängi, bezeichnet die Siedlung am Hang des Grünbergs, über den man nach Pölling kommt. Damit wurde ein mittelalterliches Verkehrsgebiet von Bedeutung erschlossen.
Die Hauptlinie führte von Fürth nach Regensburg und Postbauer, weiter über Kemnath - Heng. Bei Kemnath wie bei Postbauer zweigt die Linie über Berngau - Hemau nach Regensburg - Kelheim ab.
2. Das Kirchenwesen um die Pfarrei St. ElisabethSchon Bischof Gundekar (1057-1075), der in unserer Gegend viele Kirchenge-bäude weihte, hat damals auch in Heng eines seiner Bestimmung übergeben.
Ab 1527 war Heng einhundert Jahre Pfarrei. Im 30-jährigen Krieg sank sie auf den Stand einer Expositur herab. Während der Religionsstreitigkeiten gehörte sie zweimal zu Möning, um schließlich zur damals protestantischen Kirche in Pölling zu kommen. Während der Rekatholisierung kehrte auch Heng zu sei-nem ehemaligen Glauben zurück.
Jahrhundertelang bemühten sich die Deutschordensritter von Postbauer sowie auch die Expositur von Heng selbst, um eine erneute Erhebung zur Pfarrei. Alle diese Eingaben wurden jedoch vom Kurfürsten und auch vom Bischöflichen Ordinariat abgelehnt. In einer Urkunde vom 02. März 1865 erhielt Heng zwar nicht den Status einer Pfarrei zurück, aber doch Sondervollmachten, die über eine Expositurstelle hinausgingen. Das 10 Seiten umfassende Schreiben trägt die Überschrift:
Confirmation der Cooperatur = Expositur zu Heng Filiale der Pfarrei Pölling.
Diese Urkunde beginnt - wie das damals üblich war - mit einem schier endlosen Satz. Er lautet: „Nachdem es den vereinten Bemühungen und Opfern des der-zeitigen Pfarrers Max Mayer zu Pölling und der Filialgemeinde Heng gelungen war, die Mittel zu der seit vielen Jahren angestrebten Errichtung einer Coopera-tur-Expositur zu Heng, einer Filiale der Pfarrer Pölling, aufzubringen, und nach-dem Se. Königliche Majestät mittelst Allerhöchster Entschließung vom 03. Juli 1863 der zum Zwecke der Gründung einer Expositur in der Filiale Heng, .... zu errichtenden neuen katholischen Kultusstiftung - auf wohlwollende Empfehlung und Bitte der ........... Kammer des Inneren, die Allerhöchste landesherrliche Bestätigung allergnädigst erteilt haben, so konfirmieren Se. Bischöfliche Gna-den, unser hochwürdigster Herr Ordinarius Georg, diese Stiftung in Kraft ge-genwärtiger Urkunde unter nachfolgende Bedingungen“.
Doch nun zu den weiteren Punkten der Urkunde. Im oben genannten Expositur-Sprengel sollten nach den folgenden Vertragsvorschriften die Ortschaft Heng (als Sitz der Expositur), Postbauer, Köstlbach, Kemnath, ferner die Kothmühle, Brandmühle, der Wurzhof und ein Haus in Buch eingegliedert werden. Außer-dem hatte der Expositus vier zu Pölling gehörige Häuser in Buch und eine Ein-öde am Dillberg zu pastorieren. Weiter musste er in verschiedenen evangelischen Orten wohnende Katholiken karitativ betreuen. Diese wohnten unter anderem in Oberferrieden, Unterferrie-den, Altenthann, Steinbach und in der Kanalschleuse Nr. 34. Auch in Ezelsdorf, Burgthann, Heinleinshof, Rübelshof und Schafhof lebten einige Katholiken. Er hatte also ein recht weiträumiges Gebiet zu versorgen.
Der in der Expositur Heng arbeitende Geistliche stand unter „seinem Pfarrvor-stand in Pölling“. Er hatte „nicht nur im allgemeinen die Pflichten eines Coope-rators genau zu erfüllen, wie sie in der Diözesan-Pastoral-Instruktion vorge-schrieben sind, sondern er übte auch die Seelsorge nach den Normen der Past. Instrkt. nur als Stellvertreter des Pfarrers von Pölling aus“.
In Anbetracht der großen Opfer, die Heng damals erbringen musste und auch erbrachte, genehmigte der damalige Bischöfliche Ordinarius der Henger Filial-kirche Gottesdienste und andere Vorzüge, die im allgemeinen nur Pfarrkirchen zustanden.
So wenigstens steht dies alles in dieser 10 Seiten umfassenden Urkunde, von der wir sprechen.
Ferdinand List Heimatpfleger Postbauer-Heng
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