Markt Postbauer-Heng
Heimatgeschichtliche BetrachtungDer Landkreis Neumarkt i.d.OPf. hat durch den früheren Kreisarchivpfleger, Oberstudiendirektor Hans Braun, für seine Städte und Märkte eine heimatgeschichtliche Betrachtung erstellen lassen, die wir nachstehend für unsere Marktgemeinde veröffentlichen.
Markt Postbauer-Heng
fünf Jahrhunderte Deutschordens-Herrschaftsgebiet
Der Landkreis Neumarkt i.d.OPf. zählt sechs Städte und sieben Märkte. Diese herausgehobenen Orte wurden bereits bis Ende des sechszehnten Jahrhunderts mit dem Status einer Stadt bzw. eines Marktes ausgezeichnet, ausgenommen Parsberg und Postbauer-Heng. Der vormalige Markt Parsberg wurden am 23. August 1952 zur Stadt aufgestuft, die Gemeinde Postbauer-Heng erst am 17. September 2005 zur Markgemeinde erhoben.
Wann bzw. warum wird das Marktrecht verliehen?
Im Mittelalter wurden geeignete Plätze an Flussübergängen, Straßenkreuzungen, Burgen und Klöstern für den Warenaustausch bestimmt und mit dem Privileg des „Königfriedens“ ausgestattet. Es ist also kein Zufall, dass z. B. Lauterhofen als Königshof an alten Handelswegen und an der Lauterach als Handelsplatz gefördert wurde und als erste Siedlung im Landkreis Neumarkt das Marktrecht bereits 1125 verliehen bekam. Neben dem besonderen Schutz des Königs waren damit bestimmte Maut-, Zoll und Steuereinnahmen garantiert, an denen die Obrigkeit und zunehmend etablierte Handwerker und Händler partizipierten.
Seit der beginnenden Industrialisierung im 19. und der Entfaltung der Wirtschaft im 20. Jahrhundert kann einem Ort nur noch auf Antrag der Gemeinde die Bezeichnung Markt zuerkannt werden, wenn Einwohnerzahl, Siedlungsform sowie die wirtschaftlich sozialen und kulturellen Verhältnisse dies rechtfertigen.
Seit dem Zusammenschluss der benachbarten Gemeinden Postbauer und Heng (1970) und dem Anschluss der Nachbargemeinde Pavelsbach (1975), verbunden mit dem kontinuierlichen Zuzug von Heimatvertriebenen seit Ende des Zweiten Weltkrieges, verfügt die neue Marktgemeinde Postbauer- Heng inzwischen über knapp 7500 Einwohner.
Begünstigt wurde diese rasante Entwicklung durch die optimale Verkehrslage an der Eisenbahnlinie und B 8 zwischen Nürnberg und Regensburg sowie die Nähe zu den Autobahnen A 6 und A 9. Und dieser Aufwärtstrend wird zudem gefördert durch den steten Ausbau einer zukunftsorientierten Wirtschaftsstruktur und entsprechende Dienstleistungsangebote.
Die junge Marktgemeinde Postbauer-Heng ist aber auch stolz auf ihre historische Vergangenheit, zumal sich diese von den weiteren sechs Märkten im Landkreis Neumarkt hinsichtlich der landesherrlichen Zuordnung wesentlich unterscheidet. Während vormals die Gebiete aller sieben Märkte den verschiedenen Linien der altbayerischen bzw. pfälzischen Wittelsbacher bis 1918 unterstanden, beanspruchte der Deutsche Orden die Landesherrschaft für den Bereich Postbauer, Heng und deren benachbarten Höfe und Dörfer über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten (1283 - 1805) und unterhielt ein eigenes Pflegeamt im wehrhaften Deutschordensschloss zu Postbauer, das dem Deutschordensamt Nürnberg unterstellt war. Sülzburg war von 1353 bis 1740 reichsunmittelbar.

Die Wittelsbacher Fürsten, vertreten durch den Schultheiß von Neumarkt, wehrten sich lange Zeit, den Deutschordensherren die volle Landeshoheit zu gewähren. Schließlich behielt das Schultheißenamt Neumarkt die Hochgerichtsbarkeit und der Pflegeamtsbezirk Postbauer nur die Niedergerichtsbarkeit. Dieser Kompromiss erklärt vielleicht, warum der in Postbauer 1381 gefangene berüchtigte Raubritter Eppelein von Gailingen nach Neumarkt ausgeliefert und dort hingerichtet wurde.
An die Zeit der Herrschaft des Deutschen Ordens in Postbauer erinnern noch das Deutschordensschloss, das die Gemeinde stilgerecht renovieren ließ und 1996 seiner Bestimmung als Haus der Kultur übergab; zudem die Deutschordenspflegeamtskirche, die 1722 - 1724 anstelle einer Kapelle des Deutschen Ordens erbaut und neu restauriert wurde.
|